Von Schlangen und Gift

Mit einer giftigen Schlange spielen und die Gefahr nicht ernstnehmen, das ist wirklich sehr unvernünftig. Ein Gift, das uns auch manchmal so heimtückisch wie ein Schlangenbiss erwischt, ist das Murren und der Überdruss. Heute geht es darum, dieser Grundstimmung nicht das letzte Wort zu geben.

Von Schlangen und Gift

Ende Januar ist in einigen Medien ein Video aufgetaucht. Es zeigt einen Dorfschamanen aus Indonesien, der seinen Nachbarn seine Künste zeigen und eine ziemlich große Kobra „zähmen“ will. Er wickelt sich die Schlange um den Körper und wirbelt sie auch herum. Schließlich beißt die Kobra den Schamanen zweimal. Er nimmt das aber nicht ernst, weil er angeblich nicht wusste, dass Kobras giftig sind. Nach zwei Stunden bricht er zusammen und stirbt im Krankenhaus. Die Kommentare im Internet machen sich über den Schamanen lustig, vor allem auch darüber, dass er nicht wusste, wie giftig die Kobra ist.

Mit einer giftigen Schlange spielen und die Gefahr nicht ernstnehmen, das ist wirklich sehr unvernünftig. Aber trotzdem tun wir das oft.

Das tückische Gift des Murrens

Ein Beispiel aus alter Zeit ist in der Bibel beschrieben: Das Volk Israel zieht durch die Wüste. Auf der langen Wanderung verlieren die Menschen den Mut. Sie murren. Sie lehnen sich gegen Gott und gegen Mose auf. Dieses Aufbegehren und Murren verwandelt sich in giftige Schlangen, die viele Menschen töteten.

Wir alle kennen das: Wir haben einfach genug. Es reicht… Nichts passt mehr… Das habe ich nicht verdient.

Daraus kann ein ewiges Nörgeln werden, aber auch Groll und Bitterkeit, die sich in uns festsetzen. Dabei geht es jetzt nicht darum, dass wir unsere Müdigkeit oder Enttäuschung nicht wahrnehmen sollen. Natürlich müssen wir manchmal Nein sagen, uns abgrenzen, etwas verändern.

Aber die Gefahr besteht, dass die Auflehnung, die Bitterkeit zu einer Grundstimmung werden. Und diese Grundstimmung überschattet und verdunkelt dann alles: Unsere Arbeit, unsere Beziehungen, unser Gedächtnis, unseren Elan. Dann sehen wir keinen Grund mehr zu danken, sich zu freuen, es fehlt die Kraft sich zu engagieren.

Unsere Probleme sind dann keine Herausforderungen mehr, um etwas zu verändern, zu wachsen, sondern nur mehr Ursache von Leiden. Ja, ein guter Teil unseres Leidens ist durch unsere Auflehnung gegen das Leiden verursacht.

Opfer des eigenen Überdrusses

Das erste und sicherste Anzeichen ist eine innere Unrast, die sich z. B. darin äußert, dass der Lebenspartner, die Gesellschaft unserer Freunde, der erlernte Beruf oder der angestammte Wohnort als die scheinbare Ursache großer Unzufriedenheit angesehen werden. Die Mitmenschen werden für das eigene Unglück verantwortlich gemacht. Ich sehe mich als Opfer, beklage mich über die Härte meines Lebens und über die Hartherzigkeit meiner Mitmenschen – und habe in Wirklichkeit selbst ein verhärtetes Herz.

Ein verbitterter Mensch sehnt sich nach Zeichen der Liebe und Annahme, aber durch sein Verhalten stößt er seine Mitmenschen ab oder macht es ihnen zumindest schwer, ihm Zuneigung zu erweisen. Er sehnt sich nach Lichtblicken in seiner Arbeit, kann aber nichts sehen und an nichts anknüpfen, weil seine Grundstimmung seinen Blick vernebelt, und er hat auch keinen Elan, um etwas zu tun.

Die Arsch-Hoch-Challenge des Tages

Nehmen wir uns einen Moment Zeit für die Stimme in uns. Hören wir ihr zu: Was sagt sie da? Worüber beklagt sie sich? Wen klagt sie an? Was für eine Stimmung verbreitet sie? In mir und in meiner Umgebung?

Fragen wir uns dann: Stimmt das überhaupt? Sind diese Anschuldigungen, diese Klagen wirklich wahr?

In jedem Fall lassen wir nicht der murrenden Stimme das letzte Wort: Wir nehmen uns noch einen Augenblick Zeit für einen Dank für alles Schöne.

Raus aus den Federn, rein in die Challenge – ist ja schließlich Fastenzeit!

Autor: Günther Ecklbauer OMI
Sprecherin: Carolin Hoffmann

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