Zwischen Quengelzone und Elternglück

Von 0 auf 100 in wenigen Sekunden – das schaffen nicht nur Formel 1 – Wagen oder Raketentriebwerke: Auch in der Familie wissen wir, welchen Knopf wir drücken müssen, damit es abgeht…

Sorry, für meine Familie kann ich nix! Oder doch?

Familie ist ein System, in dem jede/r, Einfluss auf den anderen nimmt: Eltern versuchen, ihre Kinder zu erziehen und gleichzeitig haben Kinder Einfluss auf die Entwicklung ihrer Eltern.

Der Umgang untereinander prägt jedes einzelne Familienmitglied auf unterschiedliche Weise. Ich bin mit drei Geschwistern aufgewachsen und wir alle haben so ziemlich die gleiche Erziehung erhalten, und doch sind wir vier ganz unterschiedliche Personen geworden. Unsere Eltern haben sich sicher oft gefragt, und tun es vielleicht noch heute, warum der eine genau so, die andere aber so geworden ist.

Familie bringt jeden an die eigenen Grenzen

Und heute bringt mich oft eines meiner sechs Kinder mich innerhalb von ein paar Sekunden zur Weißglut, während ein anderes Kind zu mir kommt und mir ins Ohr flüstert: „Ich hab dich lieb!“ Im selben Moment könnte ich glatt schreien vor Wut, über das eine Kind, und weinen vor Glück, dank des anderen.

Familie ist einfach ein Ort, an dem es zu Rivalität und Machtkämpfen kommt, an dem es Vergebung und Liebe braucht. Es sollte ein Ort zur Selbstfindung und Geborgenheit sein.

„Zu Hause, so heißt es, wird geliebt, ist es mal laut und mal leise, sagen wir Danke und Bitte, haben wir Freude, machen wir Fehler und verzeihen, wird getanzt und gelacht, da sind wir eine Familie.“ Und manchmal kann auch alles gleichzeitig auftreten. Ja das ist wohl Familie!

Familie lässt jeden Lieben und Ertragen üben

Da kommt mir eine Bibelstelle in den Sinn, die einfach die Wichtigkeit der Liebe unterstreicht:

„Ertragt einander in Liebe, vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band das alles zusammen hält und vollkommen macht.“

Das Wort ertragen zeigt schon recht deutlich, dass das Leben nicht immer nur sonnig ist. Es zeigt, dass es auch mal ordentlich zur Sache gehen kann. – So wie eben auch an manchen Tagen in der Familie. Und gerade in der aktuellen Zeit mit Kontaktbeschränkungen und vielleicht sogar Ausgangssperren, da kann die Familie schon schwer zu ertragen sein. Oder aber man sieht diese Zeit als Chance, eine Chance sich mit den einzelnen Familienmitgliedern auseinanderzusetzen. Zum Beispiel gemeinsame Hobbies zu entdecken, wieder mehr miteinander zu reden, einfach bewusster das Leben zu teilen.

Hilfreich hierfür können gemeinsame Rituale sein, zum Beispiel festgelegte Familienzeiten für Spiele, vorlesen, musizieren oder basteln. Oder aber auch feste Zeiten für Gebet und / oder Familiengottesdienste. Kreative Hilfen und Ideen gibt es zum Beispiel im Internet auf zuhausebeten.de . Familie ist schließlich die kleinste Zelle der Kirche!

Autorin und Sprecherin: Angelika Kucher

1 Kommentar zu „Zwischen Quengelzone und Elternglück“

  1. Jürgen Jagelki

    Ganz herzlichen Dank. Da stimmt jedes Wort und ist echt empfunden. Es hat mich an unsere Familie erinnert, in der ich mit 6 Geschwistern aufgewachsen bin. Auch da konnte man sagen: Eins hatten alle gemeinsam: sie waren verschieden. Ich frage mich immer noch, wie meine Mutter das empfunden hat, und freue mich über die Antwort, die ich aus Ihren Worten höre. Vielleicht ist das so eine Art Altersneugier: Ich schaue und höre gern auf Mütter, weil ich ein bisschen nachempfinden möchte, wie es meiner Mutter mit mir und mit uns gegangen ist.
    Dank und liebe Grüße mit Segenswünschen für das Neue Jahr
    Jürgen Jagelki

Schreibe einen Kommentar zu Jürgen Jagelki Kommentieren abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top