Warum der Glaube wie ein Hotdog ist

Mit unserem Glauben und den Texten in der Bibel ist es wie mit einem Hotdog: Oberflächlich geht es um die Soße – religiöse Werte, Moral, Gebote und Verbote. Aber im Kern geht‘s um Wurst und Brot – die Beziehung zwischen einem ICH und einem DU.

Wer bist du? Und wie würdest du dich beschreiben? Wer schon mal eine Fremdsprache gelernt hat, weiß, dass diese Fragen spätestens in der zweiten Lektion kommen. Wie heißt du? Woher kommst du? Was ist dein Beruf?

Jeden Lehrer interessieren diese Fragen sofort, mache Schüler würden sich wohl wünschen, nicht antworten zu müssen. Schließlich werden hier – ganz lapidar beim Lernen einer Fremdsprache – die zwei wichtigsten Lebensfragen gestellt: „Wer bist du?“ und „Wer bin ich?“.

Im Leben geht es um nichts anderes als um die Beziehung zwischen ICH und DU. Das Leben hat nicht mehr zu bieten. Es geht um ein MICH und ein DICH. Die ganze Lebensspanne spielt sich zwischen diesen zwei Personalpronomen ab. Deswegen ist es bei einer Sprache auch so wichtig, sofort sagen zu können: „Ich heiße“. Und fragen zu können „Wer bist du?“.

Ein DU und ein ICH

Das betrifft natürlich nicht nur eine Fremdsprache. Wer in die Geschichten in der Bibel schaut – und zwar nicht oberflächlich – der merkt, dass es gar nicht um Werte, Moral, Gebote oder Verbote geht… das ist nur die Soße auf der Oberfläche eines Hotdogs. Die Soße schmeckt nur im Zusammenhang mit dem Wesentlichen. Eine Ketchupflasche zum Frühstück essen – ohne Brot und ohne Würstchen. Genau diese Vorstellung kommt hervor, wenn wir das geistliche Leben auf Gebote und Verbote aus der Bibel reduzieren. In der Bibel geht es nur und ausschließlich darum, wer Gott ist und wer der Mensch ist. Es ist eine gemeinsame Entdeckungsreise. Es geht nur um die Beziehung zwischen einem ICH und einem DU. Die Bibel hat nicht mehr zu bieten. Das Leben hat nicht mehr zu bieten. Alles dreht sich um Beziehungen. Auch unsere Identität.

Unter die Soße schauen

„Wer bist du? Und wie würdest du dich beschreiben?“ Das sind nicht nur die ersten Fragen in einem Sprachkurs. Es sind Fragen, auf die jeder von uns manchmal lebenslang eine Antwort sucht. Aber eine Grundidentität seiner selbst findet niemand alleine. Die ist uns nämlich gegeben worden noch bevor wir uns in irgendeiner Weise aussprechen konnten. Und dabei geht’s nicht um die Augenfarbe oder die Körpermaße. Die gehören zwar auch zu unserer Identität, aber mit ihnen ist es wie mit der Soße auf dem Hotdog…

Was liegt also unter der Soße? „Du bist geliebt“. Wenn man nichts anderes über sich selbst aussagen könnte als das – dann wäre es immer noch das Wesentliche. „Du bist geliebt“ ist keine Beilage zum Leben – wie die Soße. Es ist das Brötchen und Würstchen in einem Hotdog. Das Geliebt-Sein macht die Augenfarbe und die Körpermaße schön. Es bestimmt alles in uns und unserer Wahrnehmung von uns selbst. Es ist der Ausdruck vom Raum zwischen ICH und DU und dieser Raum steht immer offen. Es gibt keinen Schlüssel, den wir suchen müssen. Wir müssen nur eintreten.

Weihnachten, das Fest der Geliebten

Jetzt in der Adventszeit wiederholt Gott seinen Treueschwur an den Menschen: „Du bist geliebt“. Deswegen will er unser Leben mit uns teilen. Deswegen feiern wir bald Weihnachten. Es ist ein Fest unserer Identität – ein Fest der Geliebten.

Autor: P. Petr Dombek OMI
Sprecher: Sebastian Veits

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