Vom Sehen und Glauben

„Also wenn ich das nicht mit meinen eigenen Augen gesehen habe, glaub ich das nicht. Diesen Satz hat wohl jeder schon einmal gesagt, nachdem er eine besondere Geschichte gehört hat. Im Glauben an Gott wird diese Herausforderung deutlich: Wir folgen ihm, ohne Gott je gesehen zu haben. Oder…. Haben wir das vielleicht schon längst?

Stell dir vor, deine Freunde erzählen dir voller Begeisterung von einer unglaublichen Begegnung, die realistisch betrachtet nicht passiert sein kann. Glaubst du ihnen? Oder zweifelst du an ihrer Aussage; vielleicht auch an ihrem Verstand? So erging es wohl Thomas, als er erfuhr, dass Jesus – nachdem er gestorben war – allen anderen Jüngern erschienen ist. Nur Thomas hat es verpasst. Blöd!

“Das muss ich gesehen haben!”

Kann er sich nun auf die Aussage der anderen verlassen und wie sie an die Auferstehung Jesu glauben? Thomas fiel das sichtlich schwer. Er haderte sehr damit und reagierte eher abweisend: „Solange ich ihn nicht selbst gesehen habe und seine Wunden berührt habe, glaube ich euch nicht.“ Thomas musste diese befremdliche Situation im wahrsten Sinne des Wortes selbst „begreifen“. Er brauchte Gewissheit und Sicherheit, dass es wirklich Jesus war, der sich den Jüngern gezeigt hatte. Und dann kam es doch tatsächlich zu der Situation, dass Jesus erneut den Jüngern erscheint und diesmal ist Thomas dabei. Jesus stellte sich direkt vor Thomas und forderte ihn auf, seine Wunden zu berühren, damit Thomas „begreifen“ kann. Jesus forderte Thomas auf: „Sei nicht mehr ungläubig, sondern gläubig!“ Und dann sagte er noch: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du, selig die nicht sehen und doch glauben!“

Yes! Genauso ist es: Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben. Keiner von uns hat Jesus real gesehen und doch glauben so viele Menschen an ihn. Wie kommt das?

Woran glaubst du?

Nun könnte man wissenschaftlich herangehen und untersuchen, warum der Mensch etwas braucht, an das er glaubt oder eben überzeugt nicht daran glaubt – wobei er ja dann auch an etwas glaubt… Aber darum geht es mir heute nicht.. Ich möchte dich vielmehr fragen, an was glaubst du? Glaubst du an die Aussagen der Medien, der Politik, der Wissenschaft? Glaubst du an unsere Gesellschaft und daran, dass wenn wir nur zusammenhalten, alles gut wird? Oder glaubst du an dich selbst und an deine eigene Stärke? Glaubst du den Aussagen der Menschen in deinem Umfeld oder glaubst du nur an das, was du selbst erlebt hast? Wie sieht es mit der Kirche aus? Glaubst du an Gott, an die Auferstehung Jesu? So viele Fragen, so viele unterschiedliche Bereiche. Ja, was soll ich denn nun glauben?

Gott ist da - selbst im Zweifel

Ich gebe zu, in Bezug auf Politik, Gesellschaft und Wissenschaft bin ich mir persönlich zeitweise sehr unsicher. Auch beim Glauben an Gott habe ich immer wieder Momente des Zweifelns.. Doch auch wenn wir zweifeln, können wir gewiss sein, dass Jesus immer wieder spürbar zu uns kommt. ER weiß, wie wir uns fühlen. ER hat selbst als Mensch gelebt und Enttäuschungen und Verletzungen erlebt. ER ist der Lebendige. Und durch Thomas haben wir die Zusage, dass Gott, sich uns zeigt, gerade auch dann, wenn wir zweifeln.

Jahrelang war ich auf der Suche nach meiner Berufung. Ich wusste, dass ich als Krankenschwester arbeiten möchte und fand auch immer wieder die passende Arbeitsstelle und die dafür notwendige Kraft. Aber lange war mir unklar, wo Gott mich haben will. Sollte ich alleine bleiben oder eine Familie gründen? Ordensfrau zu werden, war keine wirkliche Alternative für mich. Jahrelang war ich mir unsicher und habe Gott ständig gefragt, was denn nun aus mir wird und ob er mir nicht doch mal den passenden Partner vorbei schicken könnte. Und dann irgendwann hat er mir meinen Mann geschickt und der hatte gleich zwei Kinder mit im Gepäck. So war die Frage nach der Familie wohl gleich mitbeantwortet. Mittlerweile haben wir noch vier gemeinsame Kinder und ich spüre es beinah täglich, dass es meine Berufung ist, hier zu sein. Hier bei den Kindern, bei allen. Hier bei meinem Mann und auch hier an seinem Heimatort. Dafür bin ich sehr dankbar. Und ich weiß auch, dass Gott in den Jahren, in denen ich auf der Suche war, bei mir war. Er hat mich auf die jetzige Situation vorbereitet. Ich habe ihn gespürt und konnte und kann deswegen glauben. So wie Thomas, habe auch ich auf Gottes Wirken gehofft und vertraut und wurde überreich beschenkt.

Autorin und Sprecherin: Anke Kucher

1 Kommentar zu „Vom Sehen und Glauben“

  1. Das ist absolut authentisch! Welche Freude dich hier zu hören.
    Weiterhin viel Kraft auf DEINEM Weg wünscht eine Tante aus Sachsen.

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