Nichts bleibt wie es ist

Es gibt sie, die Momente, in denen man Trost braucht. Und es gibt Menschen, die Trost schenken und den Blick wieder öffnen.

Kürzlich habe ich wieder einen Bericht von dem Verein LAVIA gelesen. Es ist ein Verein für Familientrauerbegleitung. Mich rühren diese Geschichten der Menschen immer sehr an, die davon berichten, wie junge Menschen und Familien mit dem Tod eines Elternteils oder nahen Angehörigen umgehen. Dieser Verein leistet so unsagbar gute Arbeit, indem sie für die Menschen da sind, die Trauer annehmen und in Gesprächen und in schönen und kreativen Dingen der Trauer ihren Platz geben. Somit stehen sie den Trauernden bei. Jedoch bleibt bei allen Angeboten die Frage: Was kann in einer scheinbar untröstlichen Situation Trost schenken? Nicht nur im Einzelnen in einer Familie, sondern wenn wir in die Welt hinaussehen und uns so viel Elend und untröstliche Bilder vor Augen geführt werden.

Tröstet mein Volk!

Da begegnet mir der Text des Propheten Jesaja. Er beginnt mit den Worten: Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott! Ein Text der vor mehr als 2600 Jahren geschrieben wurde und sich an das Volk Israel im babylonischen Exil richtet. Die Israeliten hatten sich mit der Situation abgefunden in der sie schon seit so vielen Jahren lebten. Doch bei einigen regte sich noch immer das Heimweh und sie sehnten sich zurück nach Jerusalem. Nach ihrem Heimatland und zu ihrem Tempel. Da hört der Schreiber dieses Textes die Stimme Gottes, der sein Volk trösten und ihm eine neue Perspektive eröffnen möchte. Er möchte das Volk ermutigen nach vorne zu schauen und die Hoffnung auf Freiheit nicht zu verlieren. So lange schon ist das Volk Israel schon in der Verbannung. Aber jetzt soll es vorbei sein! Gott hat sein Volk nicht verlassen. Er will es wieder nach Israel zurückbringen. Doch wenn man so in seinem Schmerz und seiner scheinbar ausweglosen Situation gefangen ist, was kann da schon trösten?

Zu Herzen reden

Der Schreiber dieses Textes braucht dazu viele Bilder. Er spricht davon, dass das, was krumm ist, gerade wird, das Berge sich senken und Täler sich heben. Also eine komplette Umkehr des bestehenden Zustandes! Aber, ein Satz ist der Schlüssel zu allem Trost: „Redet Jerusalem zu Herzen!“ Zu Herzen reden, ist mehr als nur reden. Es ist einfühlen. Denn das Herz ist ja nicht einfach nur ein lebenswichtiges Organ, sondern es hat auch ganz viel mit Gefühl zu tun. Wenn ich jemanden liebe, dann sage ich: ich will dir mein Herz schenken. Ich will ihm damit sagen und zeigen, all meine Gefühle sind für dich. Und zu Herzen sprechen kann man nur behutsam, vorsichtig und liebevoll.

Das wissen auch die Mitarbeiterinnen von LAVIA. Sie sind da für die Menschen und ihre Trauer. Was manchmal bedeutet, einfach nur da zu sein und das Angebot machen: Ich bin da, wenn du mich brauchst. Oder jemanden auch ohne Worte in den Arm zu nehmen. Und später hilft es dann, den Blick in die Zukunft zu richten.

Gemeinsam in die Zukunft schauen

Zuerst zu Herzen reden und dann gemeinsam in die Zukunft schauen.

Das ist der Trost den auch Gott uns schenkt. Ich bin für dich da. Ich schaue mit dir in die Zukunft. Der Schmerz und die Trauer werden vergehen. Es wird nicht alles so bleiben wie es ist.

Und jetzt in den Wochen des Advents bereiten wir uns wieder auf den vor, der kommen wird. Dieses kleine Kind in der Krippe, dass ein Stück weit doch jedem von uns zu Herzen geht, soll unser Leben verändern. Denn mit ihm bleibt nichts mehr so wie es war.

Autorin und Sprecherin: Martina Melles

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top