Kommst du noch mit auf ein Bier zu mir?

Ein Besuch zuhause? In Zeiten von Corona zunehmend eine Seltenheit. Für Christen ist das eine Herausforderung. Denn Jesus lebte Gastfreundschaft.

Kommst du noch mit auf ein Bier zu mir? Leider gestaltet sich die Frage in der vergangenen Zeit ja etwas schwierig, von wegen max. zwei Haushalte usw., aber darum soll es gar nicht gehen. Kommst du noch mit zu mir? Also zu mir nach Hause? Das fragt man liebe Menschen, mit denen man gerne zusammen ist und nach getaner Arbeit auch noch die Freizeit teilen möchte. Jemanden sein Haus zeigen, oder nach Hause einladen, das tut man gewöhnlich mit Leuten, die man gut kennt, mit denen man in Beziehung steht. Man würde nicht jedem erstbesten einen Blick ins eigene Schlafzimmer gewähren. Und auch man selbst käme wohl kaum auf die Idee bei einem fremden Haus zu klingeln und darum zu bitten sich das Wohnzimmer anschauen zu dürfen.

Hatte Jesus eine Privatsphäre?

Privatsphäre nennt man das. Die istder deutschen Kultur sehr wichtig und gut geschützt. Erstmal müssen wir uns kennenlernen, miteinander warm werden, dann kann man mal über eine Einladung nachdenken.Andere Länder, andere Sitten. Als Jesus noch nicht sehr bekannt war, da fragten ihn auf der Straße zwei Freunde von Johannes dem Täufer: Wo wohnst du? Und er antwortet darauf: Kommt und seht! Wahrscheinlich zeigte er ihnen damals nicht nur die Fassade des Hauses, sondern hat sie auch reingebeten, schließlich sollen sie den restlichen Tag dort verbracht haben. Also so nach dem Motto: Mein Haus ist auch dein Haus!

Jesus hatte ganz sicher auch eine Privatsphäre, nämlich immer dann, wenn er sich zurückzog um zu beten. Von häuslicher Exklusivität ist allerdings nichts bekannt. Man hört viel eher immer wieder von Menschen die ihn aufsuchen, sei es am Sabbat, oder in sonst irgendeinem Moment. Für andere da sein! Das hätte sicher auch ein Motto von Jesus sein können.

Mein Haus, dein Haus

Wann kann ich denn von mir sagen, dass ich für andere da bin? Dürfen nur gute Bekannte an der Türe klingeln, oder ist mein Haus auch dein Haus?

Was auch immer sich bei dem Besuch an jenem Nachmittag abgespielt hat, es hat die Besucher dazu bewogen ihr eigenes Haus aufzugeben, um sich Jesus anzuschließen.

Das deckt sich mit meiner eigenen Erfahrung: Seit ich ins Kloster gegangen bin, habe ich zunächst mein Elternhaus verlassen und seitdem in mindestens acht verschiedenen Häusern gelebt. Umgezogen bin ich sogar noch öfter. Privatsphäre gabs dabei mal mehr, mal weniger. Denn immer, wenn es im Haus mehr Bewohner als Zimmer gibt, dann muss man schon kreativ werden, um mal ungestört zu telefonieren. Die Waschküche eignet sich gut dazu, sofern die Waschmaschine nicht gerade schleudert.

Aber die Erfahrung zeigt: Das Haus an sich ist nebensächlich. Es geht darum mit den richtigen Menschen zusammen zu sein. Die besten Partys werden im kleinsten Raum gefeiert, da wo Menschen sich aufeinander einlassen, da wo jemand sagt: Kommt und seht! Ihr seid willkommen!

Komm und sieh!

Wollen wir uns dafür öffnen? Nicht erst das eigene Haus perfekt herzurichten, um mit Freunden zusammen zu sein, sondern mal spontan einzuladen: Komm und sieh! Mein Haus, meine Zeit, mein Leben, ich bin da für dich. Ich erwarte dich!

Ich denke, bei so einem Freudenfest wäre dann auch Jesus sofort mit dabei. Und darum geht es ja, um Gemeinschaft zu haben mit dem, der die Gemeinschaft in seiner dreifaltigen Person sozusagen erfunden hat.

Na dann, Lust auf ein Bier?

 

Autorin und Sprecherin: Kathrin Vogt OMI

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