Gute Gewohnheiten

Unser Leben ist durchzogen von Gewohnheiten. Und von ihnen bestimmt. Daher ist es wichtig, regelmäßig darauf zu schauen. Jesus hat es schon vorgemacht.

Gewohnheiten prägen unser Leben. Wenn ich morgens aufstehe, dann überlege ich nicht, ob ich mir die Zähne putzen soll. Ich mache es einfach. Und vor dem Essen wasche ich mir immer die Hände; auch dazu muss ich mich nicht erst entscheiden; es ist schon so internalisiert, dass ich unruhig werde, wenn ich es nicht mache. Gut, manchmal klappt es auch nicht so mit Gewohnheiten. Ich möchte es mir etwa zur Gewohnheit machen, jeden Abend eine halbe Stunde zu lesen, bevor ich ins Bett gehe, statt aufs Smartphone zu schauen. Das gelingt bislang unregelmäßig.

Experten in guten Gewohnheiten

Den Pharisäern wäre das wohl nicht passiert. Sie sind Experten in guten Gewohnheiten. Über viele Generationen haben sie die besten gesammelt, mit denen sie ein Leben nach Gottes Geboten führen können. Und dennoch, oder gerade deswegen, geraten sie ständig mit Jesus aneinander. Im Evangelium des kommenden Sonntages ist es wieder soweit.

Dabei scheint der Punkt dieses Mal klar auf der Seite der Pharisäer zu liegen. Sie beobachten, dass sich die Jünger Jesu vor dem Essen nicht die Hände waschen. Das klingt schon etwas unhygienisch. Also gehen sie zu Jesus und bemängeln das. Immerhin, so könnte man annehmen, bieten die Jünger damit ja auch ein schlechtes Beispiel. Niemand kann ja etwas dagegen haben, sich die Hände zu waschen und ein gutes Vorbild für die Kinder abzugeben.

Falsche Gründe

Jesus aber weist sie zurück. Und er geht gleich in die vollen: „Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte“ (Mk 7,6). Deeskalierende Strategie sieht anders aus. Er geht sie hart an. Nicht, weil er etwas gegen gewaschene Hände hätte. Sondern weil die Pharisäer es aus den falschen Gründen tun.

Ursprünglich waren die Reinheitsgebote wohl Hygienevorschriften, in denen sich religiöse Vorstellungen und Erfahrungswissen verbanden. Gesundheit und gottgefälliges Leben wurden miteinander verwoben. Wenn man gesund blieb, indem man sich die Hände wusch, dann machte einen das vor Gott rein und entsprach seinem Willen – so könnte die Ableitung ursprünglich ausgesehen haben.

Doch in der Zeit Jesu war diese sinnvolle Regel gerade zu einem regelrechten Waschzwang ausgeartet. Die archäologische Forschung macht für die Zeitenwende eine ausgeprägte Neigung in Israel fest, ständig entweder den ganzen Körper oder Teile davon zu reinigen – denn nur so konnte man seine zahlreichen Sünden abwaschen. So floss viel Energie in die Übung der äußerlichen Reinheit. Die innere Reinheit hingegen geriet in den Augen Jesu aus dem Blick. Um die ging es ihm aber.

Oder lieber doch Händewaschen?

Die Jünger durchbrechen also mit Erlaubnis Jesu die Gewohnheiten des Judentums ihrer Zeit. Doch: Etwas Neues soll an ihre Stelle treten und das soll nicht beliebig sein, findet Jesus. Anstelle der Gewohnheit der äußeren Reinheit soll die Gewohnheit der inneren Reinheit treten. Die Liste der Verunreinigung ist lang: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft.“ (Mk 7, 21f). Da wäscht man sich ja lieber einmal mehr die Hände. Jesu Ansatz ist nicht weniger streng als jener der Schriftgelehrten, er ist sogar radikaler. Aber: Für unser Verhältnis zu Gott ist er wesentlicher fruchtbarer.

Ein Blick, drei Antworten

Welche Gewohnheiten hast du eigentlich? Die meisten unserer Gewohnheiten sind äußerlich. Aber es gibt auch die inneren: Wie redest du über andere, und sei es auch nur mit dir selbst. Wie redest du mit und über dich selbst? Denk daran: Nächstenliebe und Selbstliebe gehen Hand in Hand. Unsere Denkgewohnheiten, Mindset, Glaubenssätze – wie immer du es nennen möchtest. Sie prägen dein und mein Leben. Das Evangelium des kommenden Sonntags lädt uns ein, über sie nachzudenken. Auf sie zu pochen, weil man es schon immer so gemacht hat, das war der Ansatz der Pharisäer.

Mit Jesus dagegen kannst du auf sie schauen und dich fragen: Dienen sie mir? Dienen sie anderen? Dienen sie Gott? Wenn ja, dann herzlichen Glückwunsch, weiter so! Wenn nein, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens: Richtig gut ist es nicht, aber es stört auch nicht wirklich. Kann so bleiben. Die Jünger waren auch nicht vollkommen. Zweitens: Blockiert dich eine Gewohnheit und ein Glaubenssatz? Schadet er dir? Dann gibt es die nächste Herausforderung: Du kannst sie ändern, wenn du magst. Jesus hilft dir gerne dabei.

Maximilian Röll

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