Gut vorbereitet

Genug Lebkuchen, Spekulatius und Dominosteine kaufen – check
Das Haus mit Lichterketten und Deko schmücken – aufgestellt, angeschlossen und funktionstüchtig – check
Geschenke für die Familie besorgen – check
Weihnachtspost schreiben – uuund check!
Eigentlich kann Weihnachten jetzt kommen!  Ich bin gut vorbereitet!

[andere Stimme, z.B. etwas dumpfer] Ach wirklich? Schon seit Wochen keinen Bock mehr auf Weihnachtsgebäck, weil Du Dich mal wieder nicht zurückhalten konntest.
Beim Lichterketten aufhängen geflucht wie ein Rohrspatz, so dass sich alle Mitbewohner in ihre Zimmer verkrochen haben.
Beim Geschenkeinkaufen so unter Stress gewesen, dass zwei Leute deinen Einkaufswagen in den Fersen sitzen hatten.
Die Weihnachts-Antworten von Menschen, denen du geschrieben hast, nur überflogen und E-Mails gelöscht.
Und das nennst Du gut vorbereitet?

Je nach Geschmack und Familientradition gibt es ganz unterschiedliche Formen sich auf Weihnachten vorzubereiten. Sehr häufig artet das in Stress aus, manchmal sogar in Besinnlichkeitsstress. Dann gehört das Besinnen im Advent quasi mit auf die Weihnachtscheckliste: Vielleicht passt noch eine halbe Stunde zwischen die Weihnachtsfeier vom Betrieb und der im Sportverein?

Wer am Ende zufrieden sein will mit den Vorbereitungen, muss sich erst mal klar machen, was er erreichen will. Unsere Checkliste möglichst schnell abarbeiten und sie schon am 2. Advent erledigt haben – das kann am Ende nicht zufriedenstellend sein. Möchten wir Unzufriedenheit bei uns und unseren Lieben vermeiden, muss der Fokus auf etwas anderem liegen.

Als Christen wissen wir, dass es im Advent eigentlich darum geht, sich auf Christi Geburt vorzubereiten. [Gähn] Schon wieder so eine Floskel. Ist doch eh klar, dass die Weihnachtsgeschichte wieder gelesen wird in der Christmette.

Wenn wir einen Profi in Sachen Weihnachtsvorbereitungen wollen, sollten wir Johannes dem Täufer zuhören.

Der hat sich mit ganzem Herzen vorbereitet und sogar seinen Kopf dafür hinhalten müssen. Er gibt auch eine Anleitung wie man es richtig macht: „Bereitet den Weg des Herrn!“, sagt er und spricht dann von geraden Straßen und ganzen Landschaften, die eingeebnet werden sollen.

Nun braucht Jesus weder eine Rennpiste noch eine Hochgeschwindigkeitstrasse. Eine gerade und ebene Straße steht dafür, es ihm möglichst leicht zu machen und seine Ankunft zu beschleunigen. Aber nur weil wir den Weihnachtseinkauf effizient gestalten, ist Jesus uns noch lange nicht nähergekommen. Wovon Johannes der Täufer spricht, ist Umkehr. Und damit geht es gerade nicht darum, alles so wie immer zu machen, the same procedure as every year.

Umkehr heißt, dass wir von ausgetretenen Pfaden ausbrechen, Gewohnheiten verlassen und uns trauen, Fehler einzugestehen. Umkehr heißt, eine im Streit abgebrochene Freundschaft neu zu versuchen. Umkehr heißt, wieder mit dem Menschen zu reden, den wir seit Jahren beleidigt anschweigen. Umkehr heißt, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und zu ändern, damit er sozial verträglicher, weniger ausbeutend und umweltschonender ist. Umkehr heißt, unseren Mitmenschen mit Wohlwollen und Liebe zu begegnen, egal welche Gefühle sie in uns auslösen.

Wer so etwas noch vor dem Heiligen Abend schafft, der ist wirklich gut vorbereitet.

Pater Norbert Wilczek OMI

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