Die Sehnsucht nach Osterfreude

Manchmal ist es dunkel um uns. Nicht, weil die Uhr Mitternacht zeigt, sondern weil sich das Leben gerade dunkel ist. Weil wir traurig sind, vermissen oder Sehnsucht haben. Doch als Christen können wir sicher sein: Es wird wieder hell. Und die Karwoche erinnert uns jedes Jahr daran.

Laut Wikipedia ist Sehnsucht ein inniges Verlangen nach Personen,
Sachen, Zuständen oder Zeitspannen. Man verbindet mit ihr das Gefühl,
den Gegenstand der Sehnsucht nicht erreichen zu können.

Am Ende der Fastenzeit sehnen wir uns nach Ostern. Und in diesem Jahr vielleicht ganz besonders, weil die Fastenzeit durch Corona gefühlt schon mit dem Lockdown im Dezember begonnen hat.

Wenn in der Osternacht die Orgel erwacht, wird endlich wieder Hallelujah! gesungen. Vergessen sind die langen Wochen davor, in denen wir uns vorbereitet haben – genau auf diesen Moment. Auf das leere Grab und alle Hoffnung und Freude, die damit verbunden ist.


Aber die Definition aus dem Onlinelexikon spricht ja von Unerreichbarkeit.
Die Jünger und Maria fühlten nach den Geschehnissen von Gründonnerstag und Karfreitag wahrscheinlich genau diese. Jesus war tot. Unerreichbar. Und sie standen vor den Trümmern ihrer Existenzen. Ohne Hoffnung. Wie groß muss in diesem Moment die Sehnsucht nach Jesus gewesen sein? Verbunden mit Trauer und Angst vor der Zukunft.


In dieser Woche liegt vor uns eben jener Karfreitag mit seiner
besonderen Liturgie. Mit Stille und Traurigkeit. Durch die Schrifttexte versetzen wir uns hinein, in die Menschen, die vor fast 2000 Jahren dort in Jerusalem all das erlebten. Mit einem kleinen Unterschied: Wir empfinden keine Sehnsucht. Wir empfinden etwas, das Wikipedia
als Emotion beschreibt, die durch die Erwartung eines künftigen, positiven
Ereignisses definiert wird. Wir empfinden Vorfreude! Wir wissen, dass Ostern kommt. Wir haben keine Ungewissheit. Wir brauchen nicht Angst haben wie die Jünger. Wir brauchen auch nicht traurig sein. Denn das Grab wird leer sein. Jesus wird auferstehen!


Und aus der Vorfreude wird die Osterfreude. Maria erkannte Jesus, als er sie vor dem leeren Grab beim Namen nannte. Und voller Freude brachte sie den Jüngern die Neuigkeit.

An diesem Punkt gleichen sich die Emotionen wieder: Damals wie heute steht am Ende der Leidensgeschichte die Osterfreude. Die Freude darüber, dass Jesus auferstanden ist. Dass er lebt.

Und genau das ist das Entscheidende: Die schmerzliche Sehnsucht Marias und der Jünger nach Jesu Tod können für uns heute Zeichen der Hoffnung sein. Denn sie zeigen: Wer liebt, wer vermisst und sich nach etwas sehnt, das scheinbar unerreichbar ist, der darf am Ende seiner Leidensgeschichte auf die Osterfreude hoffen. Darauf, dass es nach der Dunkelheit wieder hell wird. Darauf, dass er lebt. 

 

Autor und Sprecher: Marc Zecchin

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