Das Gift der Perfektion

Das muss perfekt werden! Dieser Satz – egal ob ihn dir jemand sagt, oder ob du ihn in dir fühlst – hat ein giftiges Potential: Die Angst, nicht zu genügen, lähmt dich. Ein Gegenmittel gibt’s auch. Darum geht’s in diesem Podcast

Wer hat, dem wird gegeben; wer nicht hat, dem wird auch noch weggenommen. Der nichtsnutzige Diener, der nichts hat, wird in die äußerste Finsternis geworfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

Wenn das mal keine Frohe Botschaft ist.

Aus Angst gelähmt

„Weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt“ – so erklärt der arme Tropf, der sogenannte schlechte und faule Diener sein Handeln. Aus Angst, es könnte schief gehen, hat er nichts getan. Diese Angst bringt ihn in die äußerste Finsternis.

Wahrscheinlich kommt es bei uns eher selten vor, dass wir mal eben ein größeres finanzielles Vermögen zur Verwaltung bekommen. Was bei uns aber schon häufiger vorkommt, ist die Angst des Dieners:

Ich könnte nicht genügen. Mein Tun, meine Talente, meine Mühe, sie könnten nicht reichen. Diese Sache hier muss perfekt werden. Ich persönlich kenne nichts, was mich besser blockiert: Im Kopf habe ich schon die perfekte Präsentation, die ich halten möchte, den perfekten Text, den ich schreiben will, das perfekte Essen, das ich kochen möchte, die große Runde, die ich laufen will, das perfekte Gebetsleben, das ich führen möchte.

Das Gift der Perfektion

Und der Gedanke an die perfekte Sache macht mir Angst. Ich weiß, ich werde sie eh nie erreichen. Nein, meine Präsentation wird nicht perfekt – dafür habe ich nie die Zeit. Nein, ich werde nie den perfekten Text schreiben, mit dem Laufen müsste ich erstmal anfangen und wie soll ich ein perfektes Gebetsleben in den Alltag einbauen, schaffe ich eh nicht…

Ich vergrabe die Idee lieber. Da kann ich nichts falsch machen. Und da sind wir wieder beim „faulen und nichtsnutzigen Diener“. Es macht mich wütend, dass der, der Angst hatte, am Ende für die Angst bestraft wird und ich frage mich, ob es sinnvoll ist, mit Horrorgeschichten gegen die Angst anzuschreiben.

Wahrscheinlich ist das keine Geschichte, die Jesus einem Ängstlichen erzählt hat, um ihm Mut zu machen. Jesus hat die Geschichte seinen Jüngern erzählt – vielleicht, weil er sie vor dem lähmenden Gift der Perfektion warnen wollte:

Das Gegenmittel: Einfach Anfangen

Es kommt nämlich in den allermeisten Fällen nicht darauf an, alles perfekt zu machen. Es kommt darauf an, etwas zu tun. Wenn die Notärztin in der Krisensituation nach der perfekten Lösung sucht, dann sieht es schlecht aus für den Patienten: Es kommt auf die Lösung an, die jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit hilft. Wenn ich nach den perfekten Worten suche, um meinem Partner zu sagen, wie wichtig er für mich ist, dann muss er oder sie lange warten, dann bleibt die Botschaft ungesagt. Wenn ich die Perfektion suche, dann lähmt mich diese Suche, dann sitze ich am Ende allein da, dann habe ich nichts außer der perfekten Idee. Das ist dann zum Heulen und Zähneknirschen.

Und umgekehrt, so bin ich mir sicher, kommt die Perfektion beim Tun: Die Diener, die angefangen haben, mit ihren Talenten zu wirtschaften, wussten auch nicht, ob es gelingt. Sie haben aber irgendwie angefangen. Und es wurde gut. Also, Mut zur Lücke, zum Versuch, zum Ausprobieren, zum einfach mal machen – könnte ja gut werden. Ja, ist ein Vertrauensding, dieses Gottvertrauen. Aber auch das muss nicht perfekt sein. Sondern darf wachsen. Doch dafür musst du mit den kleinen Dingen anfangen. Das ist dann jetzt dran!

Autor und Sprecher: Sebastian Veits

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