Boh ey, das ist ungerecht!

Die einen schuften lang und bekommen wenig, die anderen arbeiten wenig und bekommen viel: Warum das gerecht sein kann – und doch nicht alle gleich macht – darum geht es in diesem Podcast.

Boh ey, das ist ungerecht! Diesen Satz kennen wir wahrscheinlich alle. Entweder von uns selbst, oder von anderen.

Das fing bei mir schon in der Schule an. Da gab es immer Leute, die einfach nie für eine Arbeit lernen mussten und trotzdem immer gute Noten schrieben. Oder in mündlichen Prüfungen, da bekam immer ich die schweren Fragen gestellt.

Und wenn ich heute in die Wirtschaft schaue. Da werden auf der einen Seite Stellen abgebaut und trotzdem bekommen die Bosse der Firmen am Ende noch hohe Boni ausgezahlt! Das ist doch total ungerecht.

Hoffen, gebraucht zu werden

In der Bibel lese ich, wie Jesus seinen Jüngern das Gleichnis eines Gutsbesitzers erzählt. Ein Gutsbesitzer der zum Markt geht um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Das war damals so üblich. Da war der Marktplatz quasi die Arbeitsvermittlung. Man stellte sich morgens früh hin und hoffte darauf, dass man Arbeit bekam, damit man seine Familie ernähren konnte.

Der Gutsbesitzer in dem Gleichnis ging nicht nur am Morgen, sondern auch noch am Mittag und am Nachmittag auf dem Markt ging um Arbeiter anzuwerben. Und mit jedem Arbeiter machte er einen Lohn aus – einen Denar.

Selbst am Abend ging er nochmal hin und fand wieder welche, die dort warteten. Als er sie fragte, warum sie noch keine Arbeit haben, sagten sie, dass sie von niemandem angeworben wurden. Dass sie nicht gebraucht wurden. Wie werden sie sich gefühlt haben?

Alle anderen werden genommen und sie bleiben übrig. Keiner will sie. Das ist schon ziemlich frustrierend. Sie waren froh, dass sie die Chance bekamen, wenigstens noch eine Stunde zu arbeiten um etwas zu verdienen.

Die Stunde der Abrechnung

Dann kommt die Stunde der Abrechnung. Der Gutsbesitzer gibt jedem Arbeiter seinen vereinbarten Lohn. Er fängt mit denen an, die er zuletzt angeworben hatte, bis hin zu den Ersten und jedem gibt er den Lohn von einem Denar!

Einen Denar für jeden?! Das ist doch total ungerecht! Die einen haben den ganzen Tag in der Hitze geschuftet und die Letzten nur noch eine Stunde! Und alle bekommen denselben Lohn?! Kein Wunder, dass die Arbeiter der ersten Stunde maulen und sich beschweren. Doch der Gutsbesitzer lässt sich auf keine Diskussion ein. Er sagt lediglich, dass jeder das bekommen hat, was er mit ihm vereinbart hat. Und er fragt den, der sich beschwert, ob er neidisch auf ihn ist, weil er gut zu den Anderen ist.

Gerechtigkeit?

Da muss ich erst mal schlucken! Klar, wenn ich etwas mit jemanden vereinbare, dann ist es auch nur Recht, wenn der sich daran hält. Doch irgendetwas sträubt sich dennoch bei mir, wenn ich mitbekomme, dass die Einen sich den ganzen Tag abrackern und die Anderen für nur eine kurze Zeit dasselbe bekommen. – Das ist dann wieder so wie in der Schule. Die Einen lernen gar nicht und die Anderen rackern sich ab um irgendwie auf ´nen grünen Zweig zu kommen.

Doch Jesus will uns mit diesem Gleichnis doch etwas sagen. Mir ist schon klar, dass es ihm hier nicht um Wirtschaftlichkeit und gerechte Löhne geht – und außerdem war da ja auch noch die Frage nach dem Neid!

Menschenwürde!

Je länger ich darüber nachdenke, komme ich zu dem Entschluss, dass es hier in diesem Gleichnis um die Würde des Menschen geht. Denn das Gefühl, nicht gebraucht, nicht gewollt zu sein kratzt schon ganz schön an der Würde des Menschen.

Der Gutsbesitzer in dem Gleichnis sieht das und er weiß was die Arbeiter der letzten Stunde brauchen. Deshalb stellt er sie noch ein. Denn jeder Mensch ist gleich viel wert! Egal, wo er herkommt wie er aussieht und wie viel er leistet.

Genau das, was man braucht

Und genauso wie der Gutsbesitzer ist Gott. Er sieht, was jede und jeder von uns braucht. Das übersteigt häufig unser menschliches Gerechtigkeitsdenken. Gott handelt so, wie wir es brauchen. Nicht, weil wir es verdienen – sondern weil ER gut ist.

Wir fragen uns ja auch manchmal „Womit habe ich das nur verdient?!“, so wie die letzten Arbeiter sich das wohl auch gefragt haben mögen, als sie so viel Lohn bekommen haben. Doch Gott ist viel größer als wir es uns vorstellen können und ER weiß was wir brauchen!

Deshalb sollten wir andere nicht beneiden, sondern uns mit ihnen freuen über das, was jeder bekommt.

Nicht immer einfach – aber ein Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Autorin und Sprecherin: Martina Melles

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